Bausoldat und die Stasi

Meine Bausoldatenzeit war ein ganz besonderer Abschnitt in meinem Leben. Um das alles richtig zu verstehen, ist es eine große Hilfe, wenn ich die vorhergehenden Jahre kurz mit beschreibe.

Der erste Arbeitsvertrag
Im Jahre 1974, nach meiner Lehrzeit im Motorradwerk Zschopau (MZ), fing ich in unserem Nachbarort Deutschkatharinenberg in der Elektoinstallation Deutschneudorf als Dreher in der Schlosserei an. Dieser Betrieb war als Flinten-Kaden eher bekannt. Als ich in den 60iger Jahren zur Ferienzeit im Sommer und Winter dort schon arbeitete und für meinen Skoda sparte, sah ich noch Holzflinten für Kinder (darum Flinten-Kaden). Unser Chef war damals Henry Kaden, wie auch 1974, als ich eingestellt wurde.

Kurz nach meiner Einstellung wurde ein Schleifraum mit einer Fräsmaschine eingerichtet und einer größeren Drehmaschine als wie in der Schlosserei, an der ich mein Bestes gab. Dadurch, dass noch mehr Stanzen für Schraubkappen, Warmgeräteschalter und Preßwerkzeuge aufgestellt wurden, musste auch noch ein Werkzeugbau entstehen.

Darum wurden etliche Garagen vom Fuhrpark überbaut und es entstanden ein Werkzeugbau und eine Dreherei mit Hobel- und Fräsmaschinen. Im Vorraum standen eine Säge und ein Ständer-Schleifbock mit zwei großen Scheiben. Ich stand an einer noch größeren Drehmaschine und konnte sogar für die „Schraubkappe“, Wellen von über einem Meter Länge mit Hilfe einer Limette Lagersitze und Spezialgewinde herstellen. Drei Drehmaschinen waren insgesamt im Einsatz, wobei ich die speziellen und schwierigen Aufgaben bewältigen durfte.

In den Garagen unter uns entstand der Ratiomittelbau. Dort wurden an alte Maschinen Verbesserungen vorgenommen oder Neues angebaut. Es entstanden auch neue Maschinen. Dort arbeiteten nur auserlesene und erfahrene Mitarbeiter unserer Brigade „Fortschritt“.

Unser Betriebsdirektor war Herr Scherwenke, er hatte viel Geschick und baute unseren Betrieb zukunftsorientiert aus. Auch ich brachte verschiedene Verbesserungsvorschläge ein, die mit Geldprämien belohnt wurden. Einmal durfte ich sogar mit zur MMM nach Leipzig (Messe der Meister von Morgen), es war eine besondere Auszeichnung.

Für meine Lieben zu Hause brachte ich
viele Beutel Erdnussflips mit.

Die Mitarbeiter im Konstruktionsbüro fragten mich manchmal, ob ich wieder einen Verbesserungsvorschlag habe. Ich hatte schon den Eindruck, sie wollten durch mich ihre Lorbeeren verdienen. Denn ich gab meine Ideen nicht zu ihnen hoch, sondern zeichnete alles selber.

 

Meine zukünftige Frau
In diesen Jahren war meine Garage im Seiffener Grund fertig und ich stellte mir vor, dass Haus mit den größeren Schuppen von meinem Verpächter einmal zu kaufen. Meine zukünftige Frau, die ich beim Garagenbau kennen lernte, möchte Verkäuferin lernen. Sie konnte dann nach meinen Vorstellungen in der eingerichteten Konsum-Verkaufsstelle im Haus, tätig sein. Den Schuppen habe ich ausgemessen und mir vorgestellt, dort Räuchermänner herzustellen.
Daraufhin entstanden Zeichnungen von so einer Art Transmission, wie ich es im Werk2 von Richard Gläser gesehen habe. Denn dort war mein Vater Meister und ich schaute mir diesen Maschinenpark gründlich an.

 

Pläne für eine eigene Werkstatt
Als erstes baute ich aber ein Getriebe mit einer Trapezspindel, um ein Stück Decke von meiner Garage hochzuziehen. Dort stellte ich meinen ersten Radkarren verkehrt darauf, ich hatte ja sonst keinen anderen Platz.


Dann baute ich eine Säge und weitere Maschinen. Die Dekopiersäge war so geschaffen, wie das Prinzip bei einer Dampflokomotive. An dem Stößel war der handelsübliche Bügel befestigt. Jetzt konnte ich gleich drei Sperrholzplatten verschrauben und relativ schnell drei Schwibbögen fertigen.

Oftmals habe ich für meine zukünftige Werkstatt länger gearbeitet. Aber auch während der Arbeitszeit fertigte ich so manches Teil oder es lief parallel zu meiner betrieblichen Arbeit die Fräsmaschine.

Diese Tätigkeiten blieben natürlich nicht im Verborgenen. Dennoch wussten alle, dass die betrieblichen Aufgaben immer Vorrang hatten.

Das ich relativ konstant meine Bahn ziehen konnte, hing ganz bestimmt damit zusammen, wie ich mich für unseren Betrieb bzw. für unsere Brigade einsetzte:

  • Am Aufbau der Fußball-Betriebsmannschaft spielte ich aktiv mit
  • Für die Betriebsfeuerwehr war ich ein zuverlässiger Kamerad an der Motorspritze
  • Viele Sonnabende arbeitete ich im Freilichtmuseum, dass kam der Brigadeauswertung zugute
  • Ich brachte mich aktiv für unsere Patenklasse im Kinderheim Oberseiffenbach mit ein
  • Im Fotozirkel entwickelte ich unter anderem Betriebsbilder für Ausstellungen u. ä.
  • Große Drehteile aus Gus habe ich für die neuen Barhocker nach Feierabend gefertigt und anderes


Die politische Entwicklung
Dann gab es noch eine dritte Seite zu den betrieblichen und privaten Aufgaben – die Politik:
Da ich in einer Rüstzeit mit der Seiffener Jungen Gemeinde zum Glauben gekommen war, ist mir ganz bewusst geworden, dass Gott jede Obrigkeit einsetzt! Denn so steht es in unserer Bibel. Ich wusste, dass Erich Honecker von Gott eingesetzt war. Wenn ich also gegen den Staat mich äußere, lehne ich mich gegen meinen Gott auf. Und das ging überhaupt nicht.

Viele kamen mit dieser Situation schlecht zurecht. Doch für mich war alles normal. Das ich 10 Jahre auf meinem Skoda warten soll oder das ich erst Rentner sein musste, um einmal in den Westen zu reisen, war für mich ganz normaler Alltag. Ich brauchte mich über nichts aufregen. Im Gegenteil, das Soziale in unserer DDR war etwas Besonderes, das hatte kein Westen! Meine Mutter konnte Heimarbeit machen und war immer für uns da. Sie konnte auch am Tage einkaufen gehen, um die notwendigen Lebensmittel zu bekommen. Wir hatten es gut getroffen.

Meine politische Überzeugung blieb meinem Betrieb auch nicht verborgen. Dadurch konnten sie mich gut einschätzen und sich in jeder Weise auf mich verlassen.

 

Bausoldat – Musterung und Grundausbildung
In dieser Zeit kam für mich die Musterung im Wehrkreiskommando Marienberg. Dafür hatte ich schon ein A4-Blatt für meine Begründung vorbereitet. Uns wurde ja immer wieder erzählt, dass der Westen unser Klassenfeind sei. Das habe ich zur Kenntnis genommen, aber gegen Deutsche wollte ich niemals schießen.
Darum war ich sehr froh, dass es den Dienst ohne Waffe gab. Auch wenn wir im Ernstfall Verwundete oder Gefallene von der vorderen Frontlinie holen sollten, wollte ich gern als Bausoldat unseren Staat dienen.
Der Beauftragte vom Wehrkreiskommando sagte dann noch, dass ich mir mit meiner Entscheidung meine Zukunft verbaut habe. Ich nickte und dachte, dass ich meinen Herrn Jesus meine Zukunft schon längst anvertraut habe.
Dann bekam ich noch einen NVA-Ausweis mit der sogenannten Hundemarke (siehe Foto).

Dann kam das Jahr 1979, ich stand mit dem Posaunenchor in der Vorbereitung für unser 200jähriges Kirchenweihfest unserer Seiffener Kirche. Doch am 31. Oktober war ich schon in der Grundausbildung.

Irgendwo in einem Kiefernwald waren wir etwa 50 Bausoldaten. Die Meisten waren 25 Jahre alt, ein paar Jüngere waren die Ausnahme. Schon bei der Musterung wussten wir, dass Bausoldaten erst kurz vor ihren 26sten Lebensjahr eingezogen wurden. Mir war das Recht, denn meine zukünftige Frau ist neun Jahre jünger als ich, da konnten wir sowieso erst nach der Armee heiraten.

Junge Gefreite trieben uns durch den Wald, verschiedene Befehle sollten unseren Alltag bestimmen. Oftmals ließen sie uns antreten, mit dem Bewusstsein, dass wir es zeitlich nicht schaffen konnten. Ich stellte mich in die Reihe und hatte nicht alle Teile an. Dann brüllte er mich an: Was andere schaffen, wirst du auch schaffen! Dann ließ er uns abtreten, wir zogen uns komplett an und er brüllte wieder mit „angetreten“. Er konnte mich nicht brechen, ich war nie verbittert. Mir tat er sehr Leid, dass er so sein musste.

Es waren ja nur vier Wochen und nachdem sie sich abgeregt hatten, wurden sie auch ruhiger, vielleicht wurden wir auch schneller.

In jedem Zelt waren vier Doppelstockbetten und in der Mitte ein Hundeofen, mit einem Rohr, welches aus dem Zelt ragte. Ich war meistens für das Feuern verantwortlich, besonders nachts, denn dieser Oktober war sehr kalt. Diese Verantwortung hat mir sehr gefallen.

Die vier Wochen Grundausbildung vergingen sehr schnell und wir wurden mit LKW´s in unsere jeweiligen Kasernen gefahren. Niemand wusste, wo wir hinkommen würden.

 

Offiziershochschule der Landstreitkräfte Ernst Thälmann in Löbau
Ein paar Bausoldaten wurden in Bautzen erwartet und sprangen von der überdachten Ladefläche. Alle anderen Bausoldaten mit meiner Person wurden in die Offiziershochschule nach Löbau gebracht. In dieser Kaserne waren rund 3000 Offiziersschüler, die in einer dreijährigen Laufbahn standen.
Wir wurden nach dem Winterbefehl eingekleidet und bekamen die komplette Ausrüstung, Arbeits- und Ausgehuniformen, Schuhe und Stiefel bis zur Unterwäsche mit Strümpfe. Unsere Schulterstücke zierten goldene Spaten! Darauf war ich besonders sehr stolz. Später wurde das Gold mit Grau überspritzt und in der letzten Zeit war nur ein aufgestickter Spaten zu sehen. Ich habe alle drei Spaten mit den jeweiligen Schulterstücken mit heimgebracht, siehe Bild.

Wir schliefen in einem großen Raum in Doppelstockbetten. Frühsport gab es nicht, dafür sollten wir das Treppenhaus eines Gebäudes sauber machen. Zur Reinigung gehörten auch die MHO, wo es für die Offiziersschüler und auch für uns Anziehsachen, Sachen des täglichen Bedarfs und auch zum Beispiel Schallplatten gab. Der andere Raum war der Speisesaal. Soweit ich mich erinnere, war nur das Kehren erforderlich.

Nach dem Frühstück wurden wir zu verschiedenen Arbeiten eingeteilt. Erhard bekam die Verantwortung über den Multicar. Für uns anderen standen verschiedene Geräte und Werkzeuge zur Verfügung, um das gesamte Gelände in Ordnung zu halten. Unser Kantor (im zivilen Leben) bekam die Verantwortung über uns.

 

Ständehaus in Görlitz
Schon etwa nach einer Woche sollte ich meine Sachen packen. Ich wurde zu meiner neuen Dienststelle nach Görlitz ins Ständehaus gefahren. In diesen Gebäude übte der Musikcorps der Armee und es gab dort Schulungen für die Offiziersschüler und welche mit höheren Dienstgrad. Große Schlafräume waren dort auch vorhanden. Am Eingang war eine Wache eingerichtet, in der meistens ein ziviler Wachmann saß. Auch ein Soldat und ein Gefreiter teilten sich diesen Posten. Alle waren richtige Kumpels, zum Gefreiten sollte ich „e“ sagen.
Eine Küche mit Essenausgabe gab es für die Offiziersschüler und uns. Dort waren zivile Personen angestellt. Ein Ziviler war verantwortlich für die Kleiderkammer. Wir waren wie eine große Familie.

Ich hatte nicht den Eindruck, bei der Armee zu sein.

In einem Nachbargebäude war ich mit einem anderen Bausoldaten auf ein Zimmer untergebracht. Er war schon ein halbes Jahr hier. Jeder hatte ein schönes Bett, wie zu Hause.
Um das Ständehaus war ein niedriger Holzzaun, der etliche Lücken hatte. Ich war sehr erstaunt.

Am nächsten Tag staunte ich noch mehr, als unser Vorgesetzte, er hatte den Dienstgrad eines Fähnrichs, meine Aufgabe mir erläuterte.
In diesem Ständehaus schliefen Offiziersschüler und in der Stadt gab es drei Häuser (soweit ich mich erinnere), wo Offiziersschüler schliefen. Für diese angehenden Offiziere, die drei Jahre in Löbau ihre Laufbahn bestritten, sollte ich die Öfen ihrer Zimmer reinigen und jeden Tag mit Kohlen bestücken. Wir Bausoldaten teilten uns diese Arbeit. Zu einer bestimmten Zeit brannten wir den Grillanzünder an und zu einer anderen Zeit machten wir den Ofen zu. Wenn die „Schüler“ in ihre Quartiere kamen, mussten ihre Zimmer warm sein.
Zivile Frauen machten deren Betten und räumten auf, denn die angehenden Offiziere machten nichts.
Hier ein Foto, wo wir mit viel Spaß, Kohlen in den Keller geschaufelt haben.

Das war meine Aufgabe, ich konnte es kaum fassen. Es gab kein Grüßen, keine Meldung, keinen Frühsport, nur ein einfaches freundliches „Guten Morgen“. Und ab und zu eine Lagebesprechung. Wir hatten eine sehr gute Verbindung zu den zivilen Kräften und zu unseren Vorgesetzten.

Wir konnten uns jeden Tag ganz frei bewegen, so oft wie nötig waren wir in der Stadt in „unseren“ Häusern. Ich habe gleichzeitig meinen Einkaufsbummel absolviert und habe die Stadt erkundet. Der Flüsterbogen war dabei etwas Besonderes. Auch eine Synagoge habe ich aufgesucht, dort sah es aus, als wäre sie gerade niedergebrannt. Ein Schaf aus feinem Stroh lag in der Mitte, ich war sehr berührt. Im Stadtpark, der zwischen dem Ständehaus und der Stadt liegt, spazierte ich sehr gern und beobachtete die Vögel. Ich hatte ja viel Zeit, Hauptsache, ich war zur bestimmten Zeit im Ständehaus. Alle konnten sich auf mich verlassen, es gab nie Schwierigkeiten. Der andere Bausoldat hatte seine eigene Bewegungsfreiheit, ich sah ihn oftmals nur zum Essen bzw. erst abends.

 

Wunderbare Führung

Viel später erfuhr ich etwas ganz wichtiges, was ich jedoch nicht beweisen kann. Das Wehrkreiskommando Marienberg hatte einen Bericht über mich von meinem Betrieb angefordert. Dort stand auch meine Gesinnung und wie ich zu unseren Staat stehe. Mit dem Ergebnis der Grundausbildung wurde dann entschieden bzw. bestätigt, welche Tätigkeiten ich innerhalb der Armee ausüben kann!

Darum dieser Vorspann vom Flinten-Kaden.
Wäre ich kein Freund unserer DDR gewesen und
hätte ich mich nicht so für unseren Staat arrangiert, wäre ich hier nie gelandet.

Von einem Bausoldat habe ich durch seinem Buch erfahren, das er in Prora war und einen Hafen mit aufbaute. Das war für diese Bausoldaten die größte Schinderei gewesen. Dort gab es auch nur sehr selten Urlaub und sie sind sehr hart herangenommen worden. Dieser Bausoldat wollte, bevor er eingezogen wurde, in den Westen abhauen. Solche Staatsgegner und negativ aufgefallene Menschen waren in Prora und ähnlichen „Arbeitslagern“.

Darum war ich von Anfang an meinem Herrn sehr dankbar
für seine wunderbare Führung.

Nun besuchte ich die Junge Gemeinde in Görlitz. Ich war nicht nur zur Jugendstunde mit ihnen zusammen, sondern wir liefen auch zusammen Schlittschuh oder ich überspielte Tonbandaufnahmen in einer ihrer Wohnungen. Dazu hatte ich mein B5 von zu Hause mitgebracht.

An den Wochenenden fuhren die meisten Offiziersschüler nach Hause. Dadurch habe ich aller zwei Wochen VKU, verlängerten Kurzurlaub erhalten. Wir sollten aber damit nicht herumprahlen. Ich war auch schon manchmal einen Zug eher abgefahren.

Die folgenden drei Bilder zeigen, wie familiär und gesellig wir mit allen zusammen sein konnten. Hier ein Beispiel von unserer Weihnachtsfeier.

Auf den Fotos sehen wir unseren Vorgesetzten, die Wachleute, Küchenkräfte, Reinemachfrauen und unser Hausmeister, der auch für die Kleiderkammer verantwortlich war.

Wir Bausoldaten waren mitten unter ihnen.

An den Wochenenden, wo ich im Ständehaus blieb, war Selbstverpflegung angesagt. Dafür stand in der großen Flur ein Elektroherd (oder Gasherd) zur Verfügung. Doch das Essenkochen lag mir überhaupt nicht, meistens habe ich Wurstscheiben in einem Tiegel gelegt und oben darauf Eier eingeschlagen.

Durch die Renovierung von Zimmern durch den Hausmeister und seinen Helfern wurden auch komplette Leuchtstofflampen weggeschmissen. Ich packte sie gut ein und schleppte eine nach der anderen mit heim nach Seiffen. Auch zusätzlich lange weiße Unterwäsche konnte ich aus der Kleiderkammer für zu Hause bekommen.

 

Kathrina besucht mich
Über Ostern sollte ich als Bausoldat ganz allein die Stellung halten. Es gab so gut wie nichts zu tun. Meine zukünftige Frau Kathrina besuchte mich und ich lotste sie durch den kaputten Zaun in unser Zimmer. Über die Feiertage hatten wir ein schönes Miteinander und das Essen war auch gerettet. Der Wachmann wusste Bescheid.

Zum Sommerende 1980 hatte ich viele Gläser mit verschieden blühenden Rhododendrenzweige im Zimmer aufgestellt. Sie sollten Wurzeln treiben, doch diese sah ich nie. Unser „e“, auch Bummi genannt, verriet mir, dass ich nach Löbau zurück sollte.
Ich lief sofort zu einem „meiner“ Häuser und versteckte mich unter der Kellertreppe. Eine Abordnung von Löbau suchte mich. Sie liefen über der Kellertreppe und sahen schräg nach unten, kamen aber nicht auf den Gedanken, richtig darunter zu schauen. Bummi sagte später, dass sie fast zwei Stunden überall gesucht haben. Irgendwann trat Ruhe ein, ich suchte die Familie des Jugendleiters in der Stadt auf, holte mein Tonband ab und verabschiedete mich.

Es war kein leichter Abschied.

Dann packte ich alles aus meinem Zimmer ordentlich zusammen und meldete mich beim Pförtner.

 

Wieder in Löbau
Bei den Bausoldaten in Löbau hatte sich in diesem Dreivierteljahr vieles eingeschliffen. Den besten Kontakt hatte ich zu Erhard, er kam von einer Baptistengemeinde. Zu den drei Kirchenchristen und einem, dem ich noch nicht kannte, war das Verhältnis freundlich, aber etwas distanziert. Vom Kantor ließ ich mich nicht mehr herumkommandieren. Ich sagte ihm; wir stehen alle auf einer Stufe, du kannst es mir ganz normal sagen und auch selbst mit anpacken. Irgendwann hat er es ganz schön kapiert. Die anderen Bausoldaten, die keiner Konfession angehörten, waren mehr neutral bzw. mehr auf der Seite der BRD. Mit denen kam ich sehr gut zurecht. Sie polterten manchmal etwas heraus, was sie aber nicht so meinten. Wo sollte auch die Liebe herkommen...
Aber aufschlussreiche Glaubensgespräche gingen nur mit Erhard. Er war mir ein sehr lieber Bruder und konnte mich als einer von der Landeskirchlichen Gemeinschaft, annehmen, verstehen und achten!

Vielleicht wollten die Kirchenchristen nicht unbedingt mit mir zusammen arbeiten, denn unser Major vertraute mir das Gewächshaus an. Ich sollte es hegen und pflegen. Die ganzen Tomaten waren schon geerntet, ich ries die Pflanzen heraus und stach den Boden um. Ich schaffte überall wieder Ordnung und Sauberkeit, der Major war sehr zufrieden. In diesem riesigen Gewächshaus war ein kleines Gewächshaus eingebaut, dort stand ein Sofa, Tisch und ein Stuhl.

Hier schrieb ich ganz in Ruhe meine Liebesbriefe, versiegelte sie und wartete bis zum nächsten Essen.

Das Essen bereiteten Soldaten und Pioniere für alle zu, wir Bausoldaten bekamen oftmals mehr Fleisch wie die Anderen. Wir waren rundum zufrieden.
Im gleichen Gebäude, in der MHO bekam ich die einmalige Chance, besondere Schallplatten zu kaufen. Zum Beispiel von den Beatles, Simon & Garfunkel und andere, auch Singles konnte ich erwerben. Manche gab es nur unter dem Ladentisch, viele Offiziersschüler fragten vergebens. Diese Platten habe ich noch heute (2020).

Eine Lampe gebastelt
Wir Bausoldaten hatten auch einen größeren Schuppen, wo wir unbrauchbares von Renovierungen und u.a. Möbel einlagerten bzw. Gutes heraussuchten. Ich entdeckte dünne Sperrholzplatten und versteckte etliches in meinem Spint. Da wir auch sehr viel Urlaub hatten, brachte ich eine Laubsäge mit und bastelte im Objekt eine Lampe (Foto).

Bunte Glassplitter leimte ich mit ein und was so noch fehlte, fand ich in unserer Werkstatt oder brachte es noch von zu Hause mit.
Ein besonderes Erlebnis gab es in diesem Schuppen, als ich Sperrholz für jemanden aussuchte. Es hatten sich ein paar Soldaten eingeschlichen und

einen erkannte ich als den,
welcher den „Paulus“ im Paulusoratorium darstellte.

Er war der Sänger von einer großen Jugendschar, die dieses Oratorium aufführten. Es war Andreas Schönherr aus Lauterbach bei Marienberg, eine Aufführung gab es sogar in Bautzen, die ich am Rande mitbekam. Das war eine freudige Überraschung, wir haben uns kurz ausgetauscht, aber uns wieder aus den Augen verloren.

Auf dem Gelände der Kaserne befand sich auch eine große Werkstatt für Panzer und andere Militärfahrzeuge. Dorthin machte ich einmal einen Abstecher und unterhielt mich mit den Schlossern. Dann bot mir ein Pionier einen langen Bolzen von einer Panzerkette an. Zu Hause schleifte ich an einem Ende zwei Schrägen zu einer Spitze an, es war ein besonderes hartes Material. Schon seit Jahrzehnten dient er mir als Meißel, heute ist er nur etwas kürzer.

Jede Arbeit, die man mir anvertraute, machte ich zur vollen Zufriedenheit der Auftraggeber. Diesmal sollte ich die Hecken um den Exerzierplatz beschneiden. Ich sah sie mir an, es war eigentlich ein grauenvolles Bild. Unterschiedliche wellige und stufige Höhen und die Seiten wellig, was werden wohl die Angehörigen bei der Vereidigung ihrer jugendlichen Sprösslinge gedacht haben?
Zuerst machte ich die Heckenschere scharf und suchte mir eine passende Säge. Dann baute ich zwei einfache Gestelle von ca. 2,5m Höhe und stellte sie so auf, dass der Strick nicht durchhing. Dabei passte ich die Höhe mit dem leicht schrägen Gelände an, unabhängig vom jetzigen Zustand. Aber zu Lichte wollte ich sie auch nicht haben. Manche Abschnitte gingen nur mit der Handsäge und mit der Heckenschere wurde alles ganz fein. Am Schluss korrigierte ich noch das Gesamtbild und war sehr zufrieden.

Die Zeit dazu spielte keine Rolle. Nachdem ich alles gewissenhaft erledigt hatte, bekam ich ein großes Lob von unserem Major.

 

Die Hecke beim Generalleutnant der Offiziershochschule:
Ein besonderer Höhepunkt war der Auftrag, außerhalb unserer Kaserne eine Hecke zu schneiden. Alle Hilfsmittel, die ich dazu benötigt hatte, sollte ich auch mitnehmen. Das wurde auf einem Armeefahrzeug geladen, ich sollte im Führerhaus sitzen. Dann kamen wir an ein kleines, aber sehr schönes Haus. Vor dem Haus wuchs eine große aber nicht zu lange Hecke, wo schon lange nichts mehr gemacht worden war. Spät nachmittags sollte ich wieder abgeholt werden. Nun war ich gespannt, wer mich begrüßen würde.
Ich war sehr erschrocken, es war der Generalleutnant W. Winter unseres Objektes. Er war sehr, sehr freundlich zu mir. Die Anziehordnung brauchte ich nicht einhalten und Mittagessen machte mir seine Frau. Sie saß mir am Küchentisch gegenüber, sagte nicht viel, war aber auch sehr freundlich. Das Essen war reichlich und schmeckte sehr gut.
Sie waren mit meiner Arbeit sehr zufrieden und ich genoss diesen Tag ganz besonders.

Hier bekam ich den Eindruck, je höher der Dienstgrad, desto freundlicher waren diese Menschen.

Und ich hatte den Eindruck, bei allen beliebt zu sein, da ich auch alle Offiziere so annahm, wie sie waren. Ich nahm meine Situation ganz an.

 

Eine Nacht im Knast
Nur einmal kam ich an einem fast fertigen Offiziersschüler nicht gut an. Wir renovierten eine Offiziersschülerwohnung außerhalb der Kaserne. Zum Feierabend teilten wir unser Werkzeug in beide Hände auf, damit wir nicht mit der Hand grüßen mussten. Ich hatte wohl zu wenig in den Händen, eigentlich hätte ich eine Hand frei haben müssen.
Nun grüßte ich nur mit dem Kopf und wahrscheinlich auch nicht zackig genug. Das wollte der angehende Offizier nicht durchgehen lassen und so kam ich in den Bau, der sich in der Wache befand. Ich hatte ein Bett zum Schlafen, was wollte ich mehr. Am frühen Morgen konnte ich ohne eine Bemerkung durch den Wachmann wieder gehen. Ich bedankte mich.

Wir Bausoldaten machten auch gemeinsame Unternehmungen, wie zum Beispiel auf den Oybin. Das war sehr schön. Einmal trafen wir uns mit unseren Frauen in Bautzen. Die Gemeinschaft tat mir immer wieder gut. Auch zu einem Bierchen waren wir unterwegs.

 

Arbeiten im Heizhaus
Der Winter 1980/81 war sehr streng, die Kälte wollte nicht aufhören. Die zivilen Angestellten im Heizhaus schafften es nicht mehr allein. Zwei unserer Bausoldaten mit weltlicher Gesinnung und ich wurden in drei Schichten dafür eingeteilt. Wir bekamen ein Extrazimmer, damit wir durch die Nachtschicht tagsüber gut schlafen konnten. Jeder arbeitete mit einem Zivilen zusammen. Das war ein sehr schönes hantieren, aber auch sehr hart. Die Steinkohle wurde in einem großen Trichter abgekippt, aber es kamen auch viele große Brocken auf das Förderband. Mit einem Fäustel und Meißel mussten wir manchen Patzen zerschlagen. Und immer darauf achten, dass die Kessel die volle Leistung gaben, aber der Druck nicht zu hoch sein durfte. Abwechselnd sind wir noch auf die Kontrollrunde gelaufen. Die Verbindungen zu den Häusern waren unterirdisch, von außen sah man das überhaupt nicht. Alle Pumpen mussten die volle Leistung bringen, wobei es undichte Stellen gab. Die Substanz war sehr alt, dafür haben wir eben etwas mehr Kohle benötigt. Das war auch eine sehr schöne Zeit.

 

Im verlängerten Kurzurlaub VKU erhielten wir unser zukünftiges Anwesen
Es war ja nicht mehr lange und ich kam von der Armee wieder ganz nach Hause. Darum hatte ich mit meinem Vater den Plan gefasst, eine leere Werkstatt zu mieten, um Räuchermänner herzustellen. In unseren Staat hatte sich das so entwickelt, dass wir zum Tauschen oder für bestimmte Baustoffe einen Räuchermann oder auch eine Pyramiden abgaben.
Zum Beispiel brauchte ich für meinen Garagenbau Sand, Zement und Kalk. Anfang des Jahres ließ ich in der BHG alles in verschiedene Bücher aufschreiben. Wenn ich das Bestellte brauchte und nachfragte, war nichts da, aber vor mir waren schon Bestellungen durchgestrichen. Ich schaffte dann ein Räuchermännchen hin und dann war urplötzlich das Baumaterial da, was ich dann ganz normal bezahlte. So war es so gut wie mit allem.

Ich akzeptierte diese Entwicklung in unseren Staat.

Dadurch wollte ich aber auf alle Fälle mit meinem Vater Räuchermänner herstellen.
An einem Urlaubswochenende fuhr ich mit meinem Vater in dem Ortsteil Oberseiffenbach, wo ich meine Kindheit verbrachte. Dann standen wir vor einer leeren Werkstatt. Der Verantwortliche der Erbengemeinschaft sagte zu uns, ihr könnt die Werkstatt kaufen, müsst aber das Wohnhaus dazu nehmen. Dann drehten wir uns um und sahen uns das Haus erst einmal an. Damit war eine völlig neue Weiche in meinem Leben gestellt. Wir sollten ein eigenes Heim bekommen, ohne uns anzustrengen, einfach so!
Nachdem auch meine zukünftige Frau mit ihrem Mädchennamen „Hübsch“ beim Notar unterschrieb und wir das vorgeschlagene Geld bezahlten, hatten wir urplötzlich ein großes Anwesen mit 1,7 ha Land.

 

Ausmessen der alten Wohnungen und besondere Interesse durch Jürg Dietzte (Name geändert)
In meiner Urlaubszeit habe ich das Erdgeschoß mit Fenster und Türen komplett ausgemessen. Die eine Frau von der Erbengemeinschaft war zu den anderen Zweien hochgezogen, da die eine Erbin zwei Zimmer abgab. Dadurch hatten wir die ganze untere Etage mit einem Gemeinschaftsbad, jedoch die eine Toilette war oben im Flur.
Bei der Armee hatte ich ja viel Zeit und ich zeichnete alles maßstabgerecht auf gute Blätter. Erst mit den alten Maßen und dann neue Blätter mit den Veränderungen. Der Hauseingang sollte von der anderen Seite sein, damit wir eine abgeschlossene Wohnung einmal haben. Auch eine Toilette musste seinen Platz finden. Ich hatte dann verschiedene Varianten gefunden und sprach sie Zuhause ab. Wir wollten auch größere Fenster und höhere Türen. Für den Sicherungskasten musste auch ein guter Platz gefunden werden. Die alte Elektrik mit nur stellenweise zwei Aludrähte ging überhaupt nicht. Auch der Dielenfußboden mit dem darunter liegenden Erdreich sollte komplett heraus.
Zum Zeichnen hatte ich im Schichtzimmer die rechte Ruhe dazu. Nur manchmal kam Jürg Dietzte herein und war sehr interessiert, was ich da so zeichnete. Er hat sich als ein sehr guter Kirchenchrist ausgegeben und setzte seine Klugheit oft in Szene. Ich hatte vollstes Vertrauen zu ihm. Wir hatten oftmals nette Gespräche.

 

Bandmaß
Das Frühjahr kündigte sich an und damit die Außenarbeiten im Gelände. Für die letzten 100 Tage schnitt ich bei meinem gebastelten Bandmaß jeden Tag eine Zahl rückwärts ab. So konnte ich sehen, wie viel Tage noch anstanden. Ich versteckte es nur vor den scharfen Diensthabenden. Verschiedene Offiziersschüler beneideten uns und ich bekam mit, dass es auch Schüler gab, die sich für 10 Jahre verpflichtet hatten. Weil etliche Offiziersschüler ihre Dienstzeit auf drei Jahre reduzierten.
Jeden Tag schnitt ich einen Schnipsel ab und legte auch welche in meine Liebesbriefe hinein.

Die Begeisterung an meine Armeezeit ging auch dem Ende entgegen.

Mit einem Bein war ich schon zu Hause und wir bastelten schon unsere Pläne.
Nun war es soweit, der Abschied von unseren Major war sehr wehmütig. Wir waren zu einem guten Team zusammen geschweißt. Auf dem Bahnhof sah ich bei vielen, dass Alkohol ihr Begleiter war. Ich kam wie immer nüchtern nach Hause. Ich konnte es kaum fassen, dass ich jetzt für immer zu Hause war.

 

Hochzeit
Nun kamen unsere Hochzeitspläne immer mehr in den Vordergrund. Am 06.06.1981 wurden wir, Kathrina und ich, ein Paar und machten unseren Flitterurlaub in Kallinchen bei Berlin in einen unserer Wohnwagen meines Betriebes.

Im Vorspann habe ich über meiner Arbeit
beim „Flinten-Kaden“ berichtet.
Das bescherte mir eine wundervolle Zeit als Bausoldat.
Danach nahm ich meine Beschäftigung dort wieder auf.
Das möchte ich in einem Nachspann dokumentieren.
Auch, weil die Stasi mich doch hautnah bei den Bausoldaten und bei meiner weiteren Arbeit „begleitete“.

 

Ratiomittelbau
Im Frühjahr 1981 konnte ich wieder an meine Drehbank meine Arbeit aufnehmen. Etwa zwei Jahre später wurde im Ratiomittelbau eine Stelle frei, die mir angeboten wurde. Ich bekam sehr hochwertige Aufgaben gestellt und machte mir mit meinem Meister so manche Gedanken darüber. Nachdem das neue Projekt grob in meinem Kopf entstanden war, begann ich an meinem Arbeitsplatz diese Gedanken umzusetzen und zeichnete. Für die aufwendigste Maschine von den etwa sechs verschiedenen Objekten, brauchte ich rund vier Wochen. Dann zog ich die Einzelteile durch neue Zeichnungen heraus und verteilte sie in der jeweiligen Abteilung. Es wurde gesägt, gehobelt, gefräßt, gebohrt und geschliffen. Ich überwachte den ganzen Ablauf und gab dann auch die Teile weiter. Zwischenzeitlich bearbeitete ich schon die Einzelstücke weiter mit Bohrungen, Gewinde, Stiftlöcher u.a. Ganz zum Schluss baute ich alles zusammen, manchmal auch mit Einzelaggregate, wie z.B. Schrauber oder Vibratoren zu einer Maschine.
Bei Übersetzungen durch Zahnräder musste ich auch das Spiel und die Geschwindigkeiten mit berechnen.

Diese Herausforderungen spornten mich immer mehr zu komplizierteren Maschinen, die schon fast Automaten waren, an.

Ich fühlte mich in meinem Element. Mit meinen „Erfindungen“ war ich zwei Mal in der Freien Presse (Foto). Ich bin sehr stolz darüber.

 

Stasi im Ratiomittelbau
In diesen Jahren bis zur Wende 1989 kam plötzlich ein neuer Ratiomittelbauer zu uns. Ich habe mich sehr gewundert, denn er hatte überhaupt keine Ahnung von der Metallbranche. Er war mir mit unterstellt und ich musste ihm alles zeigen. Nicht einmal das Einfachste bekam er hin, doch er konnte sehr klug reden. Giesbert, mein Mitarbeiter, sagte uns, dass er für die Stasi arbeite. Er war ja auch fast jeden Tag spurlos für ein paar Stunden verschwunden, Giesbert sagte, dass er dort seine Berichte schreibt. Die Stimmung in unserer Brigade war nicht besonders gut.
Giesbert wurde zur REKA-Inge nach Deutschneudorf in einen anderen Betriebsteil versetzt und kam später zum Bernhard Gottfried nach Seiffen wieder in einen anderen Betriebsteil, bis wir von ihm nichts mehr hörten. Mir war das mit dem Neuen völlig egal, mit meinen Einstellungen hatte ich nichts zu befürchten (dachte ich – bevor ich ausschied, reagierte sich doch noch einer an mir ab).

Der Stasispitzel blieb, dafür durfte ein guter Arbeiter gehen.

 

Kurzarbeit – Meisterlehrgang - Schiedsstelle
In meinen letzten Betriebsmonaten war ich mit anderen auf Kurzarbeit gestellt. Wir waren für die Produktion im Schichtbetrieb eingeteilt. Ich war in der Presserei und bediente zwei Pressen. Es mussten Pellets und Achsen eingelegt werden und unter Hitze und Druck entstanden zum Beispiel fertige Nockenwalzen für die Warmgeräteschalter in unseren Betrieb. Die fertigen Schalter wurden dann in andere Betriebe z.B. in Elektroherde eingesetzt.
Die Norm schaffte ich innerhalb kurzer Zeit, so dass unser jetziger Betriebschef D. Pispeng (Name geändert) den Schichtleiter fragte, ob ich den Zähler manipulieren könnte. Das war aber nicht der Fall, viele staunten, dass ich auch in Leistung arbeiten kann (diese Info habe ich erst viele Jahre nach der Wende erfahren).

In dieser Zwischenzeit, wo ich in meiner Kurzarbeit ganz zu Hause war, suchte ich irgendeinen Lehrgang, um mich zukunftsorientierend weiterzubilden. Ich landete in dem ersten von vier Teilen, in dem ich zum Holzspielmachermeister ausgebildet werden konnte. Das ging ein paar Wochen gut, bis Herr Pispeng für mich die Schichten mit Absicht wechselte. Aus unseren Gesprächen wurde ein sehr lautes Brüllen, er machte mich über einen längeren Zeitraum total fertig. Ich konnte über Wochen nicht mehr durchatmen, so ein Herzstechen hatte ich. Ich dachte, dass ich das nicht überstehe.
Ich stellte einen Antrag bei der Betriebsschiedsstelle, damit meine Situation geklärt werden kann. Unser BGLer Harald H. und andere waren mir sehr gut gesonnen, es kam zu einem guten Ende. Ich wurde fristgemäß gekündigt und bekam eine sehr große Abfindung. Nun konnte ich regelmäßig diesen Lehrgang weiter besuchen, wurde vom Arbeitsamt mit eingegliedert und wurde 1992 Holzspielwarenmachermeister.
Herr D. Pispeng wurde zum Wendehals und unterstützt mit seiner Frau kirchliche Aktivitäten in unserer Nachbarstadt.

 

Wende und Stasispitzel bei den Bausoldaten


Nun wollte ich von der Stasi noch mehr wissen
und stellte einen Antrag.
Von meinem Betrieb, dem Flinten-Kaden waren momentan leider keine Unterlagen vorhanden.
Doch ich erhielt Papiere aus meiner Bausoldatenzeit.
Ich war sehr erschrocken und aufgeregt,
wer konnte das sein!
Nachdem ich den Klarnamen nach dem nächsten Antrag erfahren habe, war ich fix und fertig.
Er hieß Jürg Dietzte (Name geändert), einer unserer
vorbildlichen kirchlichen Bausoldaten!

 

Hier ein paar Ausschnitte aus Stasiunterlagen:  Ein Schreiben vom Hauptmann Güttler vom 03.12.80 - Informationen des IM „Hans Schuster“

"Der IM inf. zum BS Stephani folgendes: Der IM sah beim BS St. Statistiken, wie Pläne mit Spalten und Strichen, die der IM nicht näher beschreiben konnte, da er es nicht genau sah. Er verschließt dies stehts und der IM konnte nicht deuten, was es darstellen könnte. Er äußerte, daß er möglicherweise Aufzeichnungen macht, die mit der NVA im Zusammenhang stehen könnten.
Maßnahmen: Abklärung, was es bedeuten kann – durch den IMS „Joachim Dähn“ (Bausoldat)"

Dieser Hauptmann Güttler war sehr vertrauenswürdig, er wurde zum Major befördert und alle Bausoldaten sagten unter sich: Unser Majorchen, zu ihm hatte ich ein gutes Verhältnis.
IM „Joachim Dähn“ (Klarname für Jürg Dietzte) bekam von unseren Major Güttler den Auftrag, zu erkunden, was es sich mit meinen Aufzeichnungen auf sich hat.

Damit wusste Jürg Dietzte, dass er für die Stasi tätig ist!!

"Weiter steht geschrieben:
IM „Jo. Dähn“ konnte sich das Statistikführen nur mit seinen geplanten Ausbau seines Hauses bzw. der Wohnung erklären.
Güttler / Mj."

Es war Jürg Dietzte, ein überzeugter Kirchenchrist und wurde als IM geführt. Ich konnte es nicht glauben. Viele Wochen habe ich gebraucht, um das zu verkraften.
Dann versuchte ich ihn zu erreichen. Über verschiedene Telefonate gelangte ich in das Landeskirchenamt Erfurt, dort arbeitete er, es war unbegreiflich.
Wir kamen ins Gespräch, er beteuerte mir seine Unschuld und er legte mir aufs Herz, das ich nichts seinem Arbeitgeber mitteilen möchte. Dann kamen noch ein paar Briefwechsel und ich schickte ihm alle Kopien von seiner „Tätigkeit“. Er entschuldigte sich ein paar Mal, beteuerte aber seine Unschuld!

 

Bausoldatentreffen
Ein paar Jahre später war ich an der Reihe, ein Bausoldatentreffen in Seiffen zu organisieren. Jürg Dietzte bekam natürlich auch eine Einladung. Doch er lehnte ab, er habe schon mit den anderen (kirchlichen) ehemaligen Bausoldaten gesprochen und seine Unschuld beteuert. Doch zu einem Treffen mit uns würde er mit seiner Frau lieber allein kommen.

Stasispitzel IM Jürg Dietzte kommt
zu einem späteren Termin zu uns

So war es dann auch, Jürg und seine Frau besuchten uns. Sie waren sehr lieb und freundlich und brachten für mich und meiner Frau große Geschenke mit. Er beteuerte mir noch einmal seine Unschuld und sagte, unser Majorchen wollte alles immer wissen und ich habe aber nicht gewusst, dass ich für die Stasi tätig bin. Ich sagte Jürg, ob es stimmt oder nicht, ich vergebe dir.
Es war ein sehr schönes Wochenende und sie fuhren im Frieden wieder nach Hause.

Nach etwa anderthalb Jahren hatte ich immer noch keine richtige Ruhe darüber gefunden. An irgendeiner Stelle musste es noch eine Ungereimtheit geben. Ich las meine Stasiakte noch einmal durch. Dann schoss es mir durch den Kopf.
Jürg sagte, er sei immer Mal zum Majorchen gerufen worden. Und dann wollte er alles wissen.

Jürg hat zu mir nicht gesagt, dass er den Auftrag erhielt,
mich über diese Zeichnungen und Tabellen auszufragen.
Nur aus diesem Grund hat er mich gezielt aufgesucht, denn er hatte eigentlich in diesem Schichtzimmer nichts zu suchen, niemand kam da herein....

Darum schickte ich alle Kopien an seine Arbeitsstelle. Nun fand ich meine totale Ruhe.
Was daraus geworden ist, weiß ich nicht. Andere ehemalige kirchliche Bausoldaten suchten den Kontakt zu Jürg, aber er gab nie Antwort. Sie wollten dann von mir wissen, was da los sei.
Ich erklärte meine ganze Sichtweise und betonte noch,

dass er mir nicht die ganze Wahrheit gesagt hat.

Und das er doch gewusst haben muss, dass er für die Stasi tätig war.
Daraufhin haben die drei Kirchenchristen die Verbindung zu mir abgebrochen, obwohl wir gute Verbindungen hatten.

Ich bin aber sehr froh über eine „zufällige“ Begegnung 2019 mit einem anderen Bausoldaten und seiner Lebensgefährtin.
Dazu noch ein abschließendes Wort:
So gut wie jedes Jahr fahre ich mit meiner Frau in die Sächsische Schweiz nach Hohnstein. Dort in der Nähe sind wir mit unseren Wohnwagen auf dem Campingplatz „Entenfarm“. Manchmal fahren wir nach Bad Schandau runter, um einzukaufen. Wir wollten gerade in unser Auto einsteigen, kommt doch ein Mann von der Seite schnell auf uns zu und spricht meine Frau an. Sie hält sich unsicher zurück, doch mir kommt diese Stimme sehr bekannt vor. Jetzt gehe ich einen Schritt zurück und sehe hinter unserem Auto auf der anderen Seite Erhard.

Das war eine herrliche Überraschung, es war Erhard, einer unserer Bausoldaten. Mit ihm hatte ich damals wunderbare Glaubensgespräche.


Wir hatten und haben die Gabe, uns gegenseitig so anzunehmen, wie wir sind.
Bald kam auch seine Lebenspartnerin zu uns, Erhard war fast gerannt, um uns nicht zu verpassen. Er hatte uns schon im Markt beobachtet und dachte, das könnte doch Rolf und Kathrina sein.
Wir lagen uns in den Armen, uns kamen die Tränen – das war ein herrliches Wiedersehen.

Wir machten uns ein Treffen aus und hatten dann viel zu erzählen. Auch sagte ich alles über Jürg Dietzte (siehe oben) und Erhard, der weiterhin treu in seiner Baptistengemeinde geht und seine Sabine konnten mich verstehen und bejahen es. Wir hatten wunderbare Stunden miteinander und trafen uns weitere Male (siehe Foto).
Sie machen schon über 10 Jahre in Hohnstein Urlaub, wir hatten uns aber noch nie getroffen, weil sie so gut wie immer über Pfingsten fahren. Und wir waren nur ausnahmsweise in dieser Zeit da.
Wie wunderbar doch unser Herr Jesus alles macht. Es gibt immer ein gutes Ende!

Es grüßt Euch herzlich Euer Rolf Stephani
Oberseiffenbach, den 09.12.2020


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